Verkehrsprojekt 17 Deutsche Einheit
Wem nützt die Wasserautobahn?

Was liefert nun die Begründung für die Ausbauvorhaben? Stößt die Binnenschiffahrt in den neuen Bundesländern bei dem rasanten Wachstum des Transportaufkommens an die Grenzen ihrer Kapazität? Kann sie in Zukunft mehr Arbeitsplätze bereitstellen? Können im Jahre 2010 nur noch die großen Pötte wirtschaftlich verkehren? Soll die ostdeutsche Binnenschiffahrt einen ähnlich hohen Anteil des Güterverkehrs übernehmen wie im Westen?

Falsch geraten! Der vorhandene Schiffsraum liegt so weit über dem Bedarf, daß die Bundesrepublik Abwrackungen prämiert. Die Zahl der in der Binnenschiffahrt Beschäftigten sinkt auch mit Ausbau weiter, nur eben schneller. Nach Prognosen der Planer werden die Großmotorgüterschiffe im Raum Berlin im Jahre 2010 gerade 3% der Schiffe stellen, und viel mehr als 5% des ostdeutschen Güterfernverkehrs lassen sich auch dann nicht über die Wasserautobahnen befördern. Worauf sich der explosionsartige Zuwachs im Massengüterverkehr gründet, wird das ewige Geheimnis der Vorhersageinstitute bleiben. Für die Bundesregierung gibt allein die Senkung der Transportkosten den Ausschlag. Dabei klingt noch halbwegs plausibel, daß die billigere Güterbewegung zwischen Ballungsräumen den Standort Deutschland stärkt, doch daß die regionalen Wirtschaftsstandorte aufblühen, wenn riesige Containerschiffe an ihnen vorbeiziehen, vermag nicht alle Kritiker zu überzeugen.

Natürlich freuen sich die kapitalkräftigen Binnenreedereien, daß ihr Großes Rheinschiff demnächst bis nach Szczecin durchfahren kann, während der Konkurrenzdruck schon jetzt immer mehr selbstständige Schiffsführer zum Aufgeben zwingt. Im Bundesgebiet sank die Zahl der in der Binnenschiffahrt Beschäftigten von 30.000 1964 auf unter 8.000 im Jahr 1995. Nutznießer des Projekts 17 lassen sich auch bei den Schleusen-, Tief- und Wasserbaufirmen sowie etlichen Ingenieur- und Landschaftsplanungsbüros ausmachen. Die Millionenhappen bleiben dabei wohl eher bei den großen Fischen hängen. Letztendlich legitimiert nur der unaufhörliche Ausbau die Existenz von Behörden wie dem Wasserstraßenneubauamt.