"...denn sie wissen nicht, was sie tun"

    Die GRÜNE LIGA zur Sorten-Zulassung von gentechnisch verändertem Bt-Mais

    Berlin, 16.02.00. Trotz erfolgreicher "Abstimmung an der Ladenkasse" durch die Verbraucher/innen soll jetzt die Sorten-Zulassung von gentechnisch verändertem Bt-Mais auf Antrag der Firma Novartis erfolgen. Wenn sich das Bundessortenamt für die Zulassung von gentechnisch verändertem Bt-Mais entscheidet, müssen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, dies rückgängig zu machen.

    Die Bt-Maispflanze ist "dreifach genmanipuliert": sie ist resistent gegen das Totalherbizid Basta, gegen das Antibiotikum Ampicillin und gegen ein sog. Schadinsekt, den Maiszünsler. D.h., Bt-Mais wurde durch Genmanipulation in die Lage versetzt, selbst ein Insektizid zu bilden. Untersuchungen aus der Schweiz und den USA belegen, dass das Bt-Gift nicht nur Schädlinge wie den Maiszünsler tötet, sondern auch wichtige Insekten wie Florfliegen und die Larven des Monarchfalters beeinträchtigt oder tötet. Auch die Bodenflora und -fauna wird in Mitleidenschaft gezogen, die Zeitschrift "Nature" hatte 1999 veröffentlicht, dass das Bt-Insektizid von Pflanzenwurzeln in den Boden abgegeben wird und sich dort überraschend lange stabil halten kann, wobei es seine insektentötende Eigenschaft beibehält. Da bislang wenig über den Mikrokosmos der Bodenbakterien bekannt ist, sind die Auswirkungen dieses Effektes für die Umwelt nicht absehbar. Nicht absehbar ist auch der ungehemmte Einsatz des Totalherbizids Basta. Bt-Mais muss wie ein gefährliches Insektizid eingestuft werden.

    Es ist nicht auszuschließen, dass der BT-Mais für Menschen gesundheitsschädlich ist. Eine potentielle Gefahr besteht durch die mögliche Übertragung der Resistenzgene für Antibiotika auf Krankheitserreger, die dazu führen kann, dass lebensbedrohliche Krankheiten unheilbar werden. Die unkontrollierte Ausbreitung der Pflanzen ist ein weiteres Problem, benachbarte Landwirte hätten die Pflanzen auch auf ihren Feldern und könnten nicht mehr sortenrein liefern. Im nächsten Jahr wachsen diese Pflanzen wieder und sind nur "mechanisch" zu entfernen. Den Landwirten sollte auch zu denken geben, dass ihre Kollegen in den USA auf ihrer Gen-Mais Ernte sitzen bleiben.

    Die GRÜNE LIGA fordert Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke und Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer auf, die Sortenzulassung für gentechnisch veränderten Bt-Mais der Firma Novartis zu verhindern.

    Die großen Handelsketten erklärten im Herbst, bei ihren Eigenmarken auf gentechnisch veränderte Produkte zu verzichten. Das muss Ansporn sein für eine endgültige Beendigung des sinnlosen und gefährlichen Experiments Grüne Gentechnik. Verbraucher/innen wollen nicht kostenlose Versuchskaninchen für Saatgutmultis sein, Landwirt/innen wollen sich nicht ihre (und unsere) Existenzgrundlage zerstören lassen.

    "Gentechnik ist eine biologische Technik, die mittels Neukombination von Erbmerkmalen über Artgrenzen im Reagenzglas beliebig neue lebende Formen schafft und sie in die Umwelt entlässt. Der Prozess ist unumkehrbar. Freigesetzte Organismen sind nicht rückholbar. Fehler, unerwünschte Folgen dieser wissenschaftlichen Entwicklung sind nicht korrigierbar. Mit dieser biologischen Ingenieurskunst schafft sich der Mensch ethische und ökologische Probleme, deren Tragweite nicht absehbar ist.", so Inge Stenzel vom Facharbeitskreis Gentechnik der GRÜNEN LIGA.

    Gudrun Vinzing
    GRÜNE LIGA Berlin e.V.

    Ansprechpartner:
    Oliver C. Pfannenstiel,
    Pressesprecher beim Bundesverband