Erfolge im Aktionsbündnis
Gentechnische Anbaufläche wurde halbiert - erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit
Das "Aktionsbündnis für eine gentechnikfreie Landwirtschaft in Sachsen" hat
sich im April 2004 aus Umwelt-, Verbraucher- und Landwirtschaftsverbänden gegründet. Auch die GRÜNE
LIGA Sachsen e.V. ist Mitglied. Wir vom Umweltbildungshaus Johannishöhe vertreten die LIGA im
Bündnis und haben zusätzlich die gesamte Koordination des Bündnisses übernommen. Auch der Ökolöwe,
unser Leipziger Regionalverband, ist aktiv im Aktionsbündnis. Ziel dieses Netzwerkes ist es , die
Landwirtschaft in Sachsen gentechnikfrei zu halten.
Gentechnikgesetz endlich in Kraft getreten
Unsere "Saison" begann Anfang Februar. Der erste Teil des neuen Gentechnikgesetzes trat endlich in
Kraft. Es ist politisch umstritten, setzt es doch strenge Maßstäbe für den Anbau von gentechnisch
veränderten Pflanzen. Insbesondere die Haftungsregeln werden von Saatgutherstellern,
Bauernfunktionären, den CDU-regierten und auch einigen SPD-regierten Ländern heftig kritisiert.
Diese Bundesratsallianzen sorgten für eine maximale Verzögerung beim Inkrafttreten des Gesetzes.
Inzwischen hat die Kanzlerkanidatin der CDU angekündigt, dass im Falle eines Wahlsiegs im Herbst das
Gentechnikgesetz ganz oben auf der Streichliste steht. Der Gentechnik auf unseren Äckern wären dann
alle Tore geöffnet.
Standortregister online
Mit dem Inkrafttreten des Gentechnikgesetzes ging auch ein Standortregister online (www.bvl.bund.de).
Hier müssen alle Landwirtschaftsbetriebe kommerziellen Gentech-Anbau mindestens drei Monate und
Freisetzungsversuche drei Tage vor der Aussaat für jederman flurstücksgenau einsehbar anmelden.
Für Sachsen wurden 12 Felder mit etwa 175 ha Fläche in den Regionen Großenhain, Hoyerswerda, Kamenz
und Torgau angemeldet. Zum Anbau vorgesehen war MON 810-6. Das ist die Bezeichnung für das
Genkonstrukt der Firma Monsanto, welches in verschiedene Maissorten eingebaut wurde. Diese
Maissorten produzieren in allen Pflanzenteilen ein Gift des Bacillus thuringensis, um den
Maiszünsler, einen Falter, der in seinem Larvenstadium den Mais anfrißt, abzutöten.
Pressearbeit auf Hochtouren
Mit mehreren Pressemitteilungen an die Lokalredaktionen erreichten wir einen enormen Presserummel.
Ständig klingelte das Telefon. In mindestens 15 Lokalausgaben der Sächsischen Zeitung, aber auch in
der DNN, in der Lausitzer Rundschau, in verschiedenen Ausgaben des Wochenkurier, bei regionalen
Rundfunk- und Fernsehstationen sowie im mdr-Sachsenspiegel wurde das Thema Genmais auf Sachsens
Feldern aufgegriffen und diskutiert. Die RedakteurInnen recherchierten oft gleich weiter und wir
erhielten so Kenntnis von den anbaufreudigen Agrargenossenschaften. Es stellte sich heraus, dass es
vier Agrargenossenschaften sind, die planten, ab April/Mai den MON 810 auszubringen. Außerdem hat
noch ein Monsantovertreter in der Nähe von Gaußig bei Bautzen die Aussaat von 10 mē Genmais
angemeldet. Nette Spielerei, nicht wahr?!
Vernetzung mittels Aktionsbüro
Zwischen Mitte Februar und Mitte März entwickelte sich unser Büro auf der Johannishöhe regelrecht zu
einem Aktionsbüro. Auf die Zeitungsartikel meldeten sich vor allem Verpächter, die nicht damit
einverstanden waren, dass auf ihrem Grundstück Genmais angebaut wird. Um die rechtliche Situation
für die Verpächter zu erfahren, wandten wir uns an Greenpaece. Ein mit Greenpeace
zusammenarbeitender Jurist prüfte die konkreten Pachtverträge auf juristische Möglichkeiten der
Verpächter. Ergebnis war, dass ohne Gentechnikklausel im Pachtvertrag juristisch wenig zu gewinnen
ist bzw. müsste zu diesem Thema erst ein Gerichtsprozess geführt werden, wessen Rechte in solch
einem Fall mehr wiegen.
Informationsveranstaltung bei Hoyerswerda
In Leippe-Torno bei Hoyerswerda - einem der Schwerpunktgebiete des geplanten Maisanbaus -
organisierte eine Verpächterin recht schnell eine Informationsveranstaltung mit Georg Janssen von
der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Nikola Burgeff (Landwirt aus Mahlitzsch) von
unserem Aktionsbündnis und auf Seite der Befürworter zwei Monsantovertreter im Podium. An dieser
Veranstaltung nahmen ca. 40 Bürgerinnen und Bürger aus Leippe teil. Hier gab es im Vorfeld viele
Kontakte mit Simone Kienitz vom Ökologischen Arbeitskreis in Hoyerswerda.
Verpächtermacht
Herr Mager, Verpächter für die Agrargenossenschaft Gersdorf, suchte das persönliche Gespräch mit dem
Genossenschaftsvorsitzenden Dr. Furchert und war beim zweiten Mal erfolgreich, dass dieser im
zusicherte auf seinem Acker keinen MON 810 auszusäen. Leider haben diesen Mut bisher nur wenige
Verpächter, obwohl es noch einige Betroffene gibt, die wegen der Gentechnik ethische oder andere
Bedenken haben.
Radtour "Bevor die Saat aufgeht"
Höhepunkt unserer Kampagne war die Radtour "Bevor die Saat aufgeht" zu den geplanten Genmaisfeldern
zwischen Großenhain, Hoyerswerda und Kamenz.
Auftakt war in Zabeltitz an der Kirche. Mit ca. 30 RadfahrerInnen, die sowohl aus der Region als
auch aus Leipzig und Dresden stammen, kamen wir dort an. Mit einer Presseaktion eröffneten wir unser
Aktionswochenende. Überraschung am ersten Feld in Nasseböhla (2 km von Zabeltitz): die
Agrargenossenschaft wollte uns mit tief ins Erdreich gezogenen Gräben den Weg versperren. Es war
dennoch nicht so schwierig, diese mit unseren geländegängigen Fahrrädern zu umfahren. Am Feld haben
wir ein Schild "Achtung Genmais" eingeschlagen. Leider fing es danach an, in Strömen zu regnen und so
waren wir in Skaup (1 km weiter) schon nass bis auf die Knochen. Auf dem Weg dorthin trafen wir
einen besorgten Landwirt, der zum einen Angst hatte, Gentechnikgegner würden aus Versehen sein Feld
umackern und zum anderen war er sich natürlich auch unsicher, wie weit sich der Pollen des
MONsanto-Maises ausbreitet und er seine Ernte noch nutzen kann.
Nach einer langen Tour durch den Regen wurden wir in Leippe von Fam. Hammer, eine vom Genmaisanbau
betroffene Verpächterfamilie, erwartet. Es gab eine leckere vor allem heiße Käsesuppe. Am Abend
zeigten wir im Gemeinderaum des Ortes den Film "Tote Ernte - der Krieg ums Saatgut". Etwa zehn
EinwohnerInnen waren noch dazu gekommen und es entspann sich danach noch eine interessante Diskussion.
Der Sonntag war freundlicher zu uns. Leider waren die Reaktionen der Einwohnerinnen in Möhrsdorf
sehr verhalten bis abweisend. In Oberlichtenau sah das schon anders aus. Wir radelten zu Fam. Mager,
hinter deren Haus der Genmaisacker geplant war. Es war eine schöne Aktion, bei welcher wir auch neue
Mitstreiter fürs Aktionsbündnis gewonnen haben und vor allem noch mal viel Presseaufmerksamkeit der
lokalen Redaktionen.
Regionales Engagement unterstützt
Lange war nicht herauszufinden, wer die geplante Fläche in Arzberg bei Torgau betreibt. Ein
Biolandwirt, ein Bioimker und eine Pfarrerin haben sich um diese Recherche gekümmert und im
Anschluss mit dem Genossenschaftsvorsitzenden ein Gespräch mit dem Ergebnis, dass die geplante
Fläche von 22 auf einen Hektar reduziert wird, geführt.
Veranstaltungen
Die örtliche evangelische Kirche hat sich in dieser Region weiter engagiert. Mitte Juni hat sie noch
eine gut besetzte Podiumsdiskussion im kleinen brandenburgischen Städtchen Mühlberg organisiert. Im
Podium saßen je ein Vertreter von Greenpeace, von der Agrargenossenschaft Gersdorf und von der
Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Halle und Nikola Burgeff vom Aktionsbündnis.
Daneben fanden weitere Veranstaltungen und Infostände auf Festen und Märkten statt.
Politische Kontakte
Um unsere Positionen den Abgeordneten nahezubringen, suchten wir den Kontakt zu im Landtag
vertretenen Parteien. Es fanden Gespräche mit Vertretern der CDU, der PDS und der SPD statt. Auf
einer Sitzung der LAG Ökologie der sächsischen Bündnisgrünen machten drei Mitglieder des
Aktionsbündnis die Grünen Abgeordneten und Mitglieder fit zum Thema Agro-Gentechnik.
Leipzig - gentechnikfrei
Im Aktionsbündnis gründete sich eine regionale Leipziger Gruppe, die die Vorbereitung für eine
gentechnikfreie Stadt Leipzig übernahm. Anfang Juni war es soweit, dass "Leipzig - gentechnikfrei"
verkündet wurde.
Informationen im Netz
Begleitet wurde die ganze Kampagne von unserer Internetseite
www.sachsen-gentechnikfrei.de.
Für die Presse gab es stets die aktuellen Pressemitteilungen zum Download, es gibt
Hintergrundinformationen und Termine. Viele tausend Besucher sprechen für die Popularität dieser
Seite.
Fazit der Kampagne
Von ursprünglich geplanten 175 ha Genmais waren laut Standortregister Ende Mai noch 64 ha
genmanipulierter Mais angemeldet. Das ist eine Reduktion um 63 Prozent.
Wir haben es mit intensiver Pressearbeit geschafft, das Thema Genmais zu besetzen, an die
Öffentlichkeit zu bringen und sind feste Ansprechpartner für die Presse geworden. Auch die
Vernetzung der Akteure aus den verschiedenen Gruppen und Regionen ist ein Erfolg und macht viel Spaß.
Was tun? Anregungen für Mitglieder der GRÜNEN LIGA Sachsen e.V.
>Unterschriften sammeln
Jetzt ist zwar der Mais ausgesät, trotzdem wollen wir den Agrargenossenschaften unser Missfallen der
Nutzung dieser Technologie ausdrücken. Wir haben einen offenen Brief an die Agrargenossenschaften
formuliert und sammeln dazu Unterschriften. Diesen könnt ihr euch auch aus diesem Rundbrief
ausdrucken und in eurem Umfeld sammeln. Einsendeschluss ist der 15. August. Am 30. August werden wir
mit einer kleinen Bustour diese Listen zu den Agrargenossenschaften bringen.
>Pachtverträge modifizieren
Die GRÜNE LIGA Sachsen e.V. besitzt einige hundert Hektar Land. Soweit wir diese selbst
bewirtschaften, sollte es selbstverständlich sein, dass das gentechnikfrei geschieht. Ein Teil der
Flächen wird jedoch auch extern bewirtschaftet. Hier ist es ein Gebot der Stunde, eine Zusatzklausel
in die Pachtverträge aufzunehmen, die eine Verwendung von gentechnisch veränderten Organismen auf
diesen Flächen ausschließt. Das ist auch für bestehende Pachtverträge möglich. Die
Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) hat mit Greenpeace eine Broschüre zu
Verpächterrechten herausgegeben. Auf den Internetseiten der AbL findet man eine Musterformulierung,
Greenpeace hat ein Rechtsgutachten zu diesem Thema im Internet veröffentlicht.
>Sich und andere informieren
Das Aktionsbündnis hat verschiedene Materialien erarbeitet und hält diese z.T. auch zum Download
auf www.sachsen-gentechnikfrei.de bereit. Wir unterstützen auch gern örtliche Initiativen mit
Referenten. Im Rahmen des Aktionsbündnisses können auch die Filme "Tote Ernte" und "Der Krieg ums
Essen" zum Einsatz kommen. Daneben arbeiten drei Mitglieder des Aktionsbündnisses im bundesweiten Projekt Biopoli mit. Dieses richtet sich an Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren und bietet Veranstaltungen zu den Themen Agro-Gentechnik, Artenvielfalt, Bio-Piraterie und künftig auch noch Weltagrarhandel. Bis Ende 2005 kommen die Referenten auch kostenlos.
Die GRÜNE LIGA im Aktionsbündnis
Für die GRÜNE LIGA Sachsen arbeiten Jens Heinze, Torsten Kohl und ich beim Aktionsbündnis mit und
Reiner Totzke sowie Urte Grauwinkel vertreten den Ökolöwen Leipzig. Auch die Verbrauchergemeinschaft
Dresden (Mitglied im Dresdner Regionalverein) entsendet seit einiger Zeit regelmäßig einen
Vertreter. Also man sieht, wir sind gut vertreten in einer sehr engagierten Gruppe.
Milana Müller, Umweltbildungshaus Johannishöhe