Berlin, 08.11.2026. Das Umweltnetznetzwerk GRÜNE LIGA fordert ein bundesweites Moratorium für den Neubau von Rechenzentren. Neue Projekte sollen erst wieder zugelassen werden, sobald ihr Bedarf und ihre Auswirkungen auf die regionale Versorgung nachvollziehbar geprüft sind und verbindliche Umweltstandards gelten.
Auf einer gemeinsamen Konferenz der GRÜNEN LIGA und des Netzwerks Nodes of Resistance kamen am Samstag, 7. November 2026 mehr als 130 Teilnehmer*innen im Impact Hub Berlin zusammen. Der Austausch machte deutlich: Der bundesweite Protest gegen den unkontrollierten Ausbau von Rechenzentren wächst. Bürgerinitiativen vernetzen sich über ihre Regionen hinaus und fordern wirksame Mitsprache bei geplanten Ansiedlungen.
„Technischer Fortschritt ist kein Selbstzweck. Er muss sich an den Grenzen unserer natürlichen Lebensgrundlagen messen lassen. Wir wollen Transparenz über den tatsächlichen Ressourcenverbrauch. Wir wollen verbindliche Wasser- und Energiebilanzen. Wir wollen eine vorausschauende Standortplanung und eine frühzeitige Beteiligung der betroffenen Bevölkerung. Und wir wollen, dass über die Zukunft unserer digitalen Infrastruktur demokratisch entschieden wird – und nicht allein nach den Interessen großer Technologiekonzerne und Investoren“, sagt Thomas Tennhardt, Bundesvorsitzender der GRÜNEN LIGA.
Scharfe Kritik übt der Umweltverband auch an der Intransparenz bei Neubauvorhaben. Kommunen und Anwohner*innen benötigen bereits zu Beginn der Planung belastbare Angaben zum erwarteten Strom- und Wasserbedarf. Auch die vorgesehene Kühltechnik und die Möglichkeiten zur Abwärmenutzung müssen offengelegt werden. Die GRÜNE LIGA fordert ein öffentliches Register, das bestehende Rechenzentren und geplante Standorte mit ihren jeweiligen Verbrauchsdaten erfasst.
„Die Menschen sollen Entscheidungen akzeptieren, deren Folgen sie kaum überprüfen können. Angaben zum Wasserbedarf und zur Energieversorgung gehören auf den Tisch, bevor über einen Standort entschieden wird. Der Ressourcenverbrauch solcher Großanlagen darf nicht hinter Geschäftsgeheimnissen verschwinden. Eine Beteiligung, bei der entscheidende Informationen fehlen, wird zur Farce“, sagt Dr. Steffen Schorcht, stellvertretender Bundesvorsitzender der GRÜNEN LIGA.
Wie dringend verbindliche Vorgaben sind, zeigt eine neue Kurzstudie des Öko-Instituts im Auftrag von Greenpeace. Danach verbrauchten Rechenzentren in Deutschland 2025 rund 13 Milliarden Liter Wasser zur Kühlung. Bis 2030 könnte der jährliche Verbrauch auf bis zu 27 Milliarden Liter steigen und sich damit mehr als verdoppeln. Das entspräche ungefähr dem jährlichen Trinkwasserverbrauch einer Großstadt mit 580.000 Einwohner*innen. Die Studie zeigt zugleich, dass der Wasserverbrauch erheblich von der Kühltechnik abhängt und ein energieeffizienter Betrieb auch mit wassersparenden Verfahren möglich ist.
„Gerade in Regionen mit Wasserknappheit kann ein zusätzliches Großprojekt bestehende Versorgungskonflikte verschärfen. Die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung muss Vorrang haben. Vor jeder Genehmigung braucht es eine öffentlich nachvollziehbare Wasserbilanz, die auch Trockenperioden und weitere geplante Ansiedlungen berücksichtigt. Wassersparende Kühltechnik muss verbindlich vorgeschrieben werden“, fordert Schorcht.
Die GRÜNE LIGA lehnt zudem die geplanten Abschwächungen des Energieeffizienzgesetzes ab. Der Regierungsentwurf sieht unter anderem weniger strenge Effizienzgrenzen für bestehende Rechenzentren und längere Übergangsfristen für neue Anlagen vor. Die Pflicht, den Stromverbrauch bilanziell vollständig aus erneuerbaren Energien zu decken, soll von 2027 auf 2030 verschoben werden. Zugleich sollen zusätzliche Ausnahmen bei der Abwärmenutzung und bei der Veröffentlichung von Betriebsdaten gelten.
„Mitten im Ausbau der Rechenzentren will die Bundesregierung die Umweltanforderungen zurückschrauben. Damit nimmt sie zusätzlichen Energieverbrauch in Kauf und schwächt den Anreiz, Abwärme für die Versorgung vor Ort zu nutzen. Kommunen brauchen verlässliche Zusagen. Die Bundesregierung muss die bestehenden Standards sichern und ihre Einhaltung durchsetzen“, fordert Tennhardt.
Die Konferenz bot Raum für den Austausch über Beteiligungsrechte und Erfahrungen mit lokalen Ansiedlungsvorhaben. Vorgestellt wurde auch das Kartenprojekt „Heisse Luft“, das den Ausbau von Rechenzentren und seine ökologischen Folgen sichtbar macht. Die GRÜNE LIGA will die bundesweite Vernetzung der Initiativen weiter stärken und Kommunen dabei unterstützen, frühzeitig Transparenz einzufordern.