Aktivist*innen ziehen Forderungen der Wasservernetzung Brandenburg-Berlin aus einer Flaschenpost aus der Havel

Eine ereignisreiche Living Rivers Week anlässlich des Internationalen Tags der Flüsse am 27. September 2026 liegt hinter uns. Die GRÜNE LIGA brachte sich mit drei Veranstaltungen in Brandenburg und Berlin ein.

Am 23. September starteten wir mit einer Podiumsdiskussion zum Thema „Rivers disappearing in plain sight – Was braucht der urbane Gewässerschutz jetzt?“ im Nachbarschaftszentrum Altes Lazarett in Rummelsburg. Dabei haben Dr.-Ing. Steffen Schorcht (GRÜNE LIGA), Manfred Krauß (BUND), Anne Sebald (Alles im Fluss, wirBERLIN) und Dr. Christian Wolter (IGB - Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei) auf dem Podium aus ihren jeweiligen Perspektiven dargelegt, was für einen anderen Umgang mit unseren Gewässern notwendig wäre.

Es wurde deutlich, dass es gar nicht so einfach ist, sich in einem Gespräch auf die Lösungen zu fokussieren, da sehr viel vom jeweiligen Problemverständnis abhängt. Außerdem scheint es nicht an Lösungsansätzen, sondern an deren Umsetzung zu mangeln. Es wurde deutlich, dass viele der Gespräche auf dem Podium mit der Verwaltung und nicht über sie geführt werden müssen – der Wille der Teilnehmenden und auch des ins Gespräch integrierten Publikums hierfür war groß. An diesen Gesprächsfaden könnte eine nächste Dialogveranstaltung anknüpfen.

Der anschließende Flussfilmabend mit „Spreegeschichten – Eine Reise von Kottmar bis Berlin“ (1983) und „Die Spree – Sinfonie eines Flusses“ (2007) bot einen runden Abschluss. Gleichzeitig erinnerte er uns daran, dass die Auseinandersetzung mit Flüssen und Naturschutz nicht nur kognitiv passieren darf, sondern auch der emotionale Zugang von großer Bedeutung ist.

Schwimmende Pressekonferenz auf einem Floß in PotsdamAm 25. September stand das brandenburgische Wassergesetz im Vordergrund. Das vielfältige Akteursnetzwerk der Wasservernetzung Brandenburg-Berlin hat zur schwimmenden Pressekonferenz nach Potsdam eingeladen und die gemeinsam erarbeiteten Forderungen zur Novellierung des Wassergesetzes vorgetragen und besprochen. Die Zivilgesellschaft muss in diesen Prozess eingebunden werden. Die Wasserzukunft betrifft alle.

Zu den Forderungen gehört beispielsweise die Möglichkeit zur entschädigungslosen Widerrufung von Wasserentnahmerechten für Konzerne, die sich mit Hinblick auf den Klimawandel als nicht tragbar erweisen. Auch muss das Verursacherprinzip gesetzlich verankert werden: Wer Wasser verschmutzt, muss es wieder säubern und für die Kosten aufkommen. Mit einem Reporter des RBB und einer Schulklasse wurde auch darüber gesprochen, welche Rolle Kinder und Jugendliche bei der Gesetzgebung haben sollten. Symbolisch wurden die Forderungen aus den Tiefen der Havel vor dem Landtag gezogen.

Am 27. September schlossen wir dann zum offiziellen Tag der Flüsse mit einem Flussfest am Rummelsburger Ufer. Bei viel zu warmen Temperaturen für diese Jahreszeit (der September war 2,1 Grad wärmer als die Klima-Referenzperiode von 1960 bis 1990) und strahlendem Sonnenschein konnte mit der Spree ganz direkt in Kontakt getreten und ein Dialog über flussBOTSCHAFTEN begonnen werden.

Im Wassersong von Alt und Aktiv fragt sich die Spree „Warum denn bin ich verdammt noch mal so braun?“ um dann mit dem Refrain „Alle brauchen saub’res Wasser // Ohne Wasser läuft doch gar nichts“ das Problem auf den Punkt zu bringen. Wie ein Omen aus einer möglichen Zukunft legte das Ufo-Schiff „Futuro 13“ neben dem Flussfest an, um an die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels zu erinnern. In einer spielerischen Kombination von Informationsvermittlung und Spaß wurde gesungen und gemalt, die Kunstausstellung bewundert und die Forderungen der Wasservernetzung Brandenburg-Berlin mit den Kindern diskutiert, während das Bündnis Rechte der Spree eine Perspektive für dieses Gewässer und einen (juristisch) anderen Umgang mit ihm aufzeigte.